Bass All Stars Contest in Bolsena

Jedes Mal, wenn ich mir meinen Terminkalender für Oktober anschaute, wurde mir Angst und Bange. Es gab so viel zu erledigen und ein Ende der vielen Aufgaben und Nachtschichten war nicht absehbar bis ich die letzte Woche im Oktober aufschlug. Dort stand schon seit vielen Monaten dick und fett "Bass Turnier in Bolsena" und das Lesen dieser Wörter löste gemischte Gefühle in mir aus. Zum einen wusste ich nicht so recht, wie ich all die bis dahin anstehenden Aufgaben termingerecht erledigen sollte, zum anderen schossen mir sofort Gedanken zu den richtigen Ködern und vorherrschenden Bedinungen durch den Kopf.

Um alle anstehenden Termine fristgerecht zu erledigen mussten ziemlich viele Nachtschichten eingeschoben werden bevor es am Montag endlich in Richtung Freiburg gehen sollte. Das benötigte Tackle konnte erst kurz vor Abfahrt ins Auto geschmissen werden und als ich dann endlich im Auto saß viel die Anspannung der Tage von mir ab und ich hatte nur noch eines im Kopf: Black Bass in Bolsena!

Als ich um 22 Uhr in Freiburg bei Matze angekam war er schon in seinem Angelkeller in Tonnen von Softbaits am wühlen. Auch er hatte wenig Zeit für die Vorbereitung und wir packten gemeinsam eine Auswahl an Ruten, Rollen, Köden und Material für das Boot. Als wir das Auto beladen hatten war es schon 2 Uhr und wir hauten uns schnell auf's Ohr, denn um 7 klingelte schon unser Wecker. Noch kurz im Angel-Zentrum Freiburg, dem Laden von Matze, eine Waage und einen Kescher eingeladen, unterwegs noch beim Bäcker vorbei und ab auf die Autobahn. Die Zeit verging schnell, denn man konnte wunderbar über das anstehende Turnier und die notwendigen Geheimwaffen fachsimpeln. Wir wussten, dass der See extrem klar ist, dann man extrem unscheinbar fischen soll und dass Finessemethoden der Schlüssel zum Erfolg seien.

Als wir am Abend nach 12 Stunden Fahrt endlich in Capodimonte ankamen, fuhren wir zunächst an den Hafen um zu checken, wo wir das Boot am kommenden Morgen slippen können. Die Slippe war schnell gefunden, die ersten Bassboote waren am Steg festgemacht und der See lag ruhig vor uns. Endlich angekommen! Unsere überteuerte Absteige lag nur ein paar Schritte vom Hafen entfernt. Nachdem wir das kuschlige Zimmer bezogen hatten genehmigten wir uns erstmal einen Willkommensdrink an der Bar und anschließend die erste Pizza des Trips.

73 km/h und die Frisur sitzt!

In der Nacht wurde ich von scheppernden Fensterläden geweckt. Das Peitschen des Sturmes wurde aber schnell den Geräuschen sintflutartiger Regenfälle übertönt. "Na wunderbar" dachte ich mir und versuchte weiter zu schlafen, was sich aber als ein schweres Unterfangen herausstellte. Als der Wecker klingelte war noch keine Besserung in Sicht und wir beschlossen schweren Herzens noch ein wenig liegen zu bleiben, denn unser Regenzeug hatten wir gutgläubigerweise im Boot verstaut. Nach dem Frühstück beschlossen wir mit dem Boot zu einer Tankstelle zu fahren, um wenigstens unsere Regenklamotten aus dem abgedeckten Boot zu bekommen ohne dabei pudelnass zu werden. Alleine den beiden Tankwarten klarzumachen, dass wir weder Sprit noch Diesel brauchten, sondern nur kurz unser Zeug aus dem Boot holen wollten war schon ein Abenteuer. Als wir dann regensicher am Hafen angekommen waren und das Boot beluden wurde es heller und es fielen nur noch ein paar Tropfen - perfektes Timing. Als wir das Boot beladen hatten und endlich den Hafen verlassen konnten war der See wieder ruhig und wir konnten die Spots am ersten Trainingstag mit Vollgas anfahren. Der Plan war möglichst viele Spots anzufahren, die sich als produktiv erwiesen haben, als Matze im Sommer in Bolsena war. Die Spots waren dank GPS schnell gefunden und die ersten kleinen Bass konnten wir recht schnell zwischen 8 und 11 m finden. Das Problem war es die größeren Fische zu erwischen. Selbst große Köder brachten keine größeren Fische und bis zum Abend konnten wir unsere 5 Keeper (Wertungsfische ab 12 inch (30,5 cm)) nicht zusammen bekommen.

Bass im Drill

Am zweiten Trainingstag kamen auch Tom und Dani, das zweite deutsche Team, in Capodimonte an. Wir blieben dem Finessefischen auch an diesem Tag weitgehend treu, probierten einige neue Spots aus und suchten Kanten in der Nähe von Krautfeldern. Versunkene Bäume oder Heavy Cover sucht man in Bolsena vergebens und die Unterwasserpflanzen in Bolsena sind fast die einzige Möglichkeit für die Fische sich zu verstecken und somit meistens ein wichtiger Anhaltspunkt. Der zweite Tag lief deutlich besser für uns und wir haben einige produktive Spots gefunden, die wir kurz befischten und auf dem GPS markierten, um sie dann am ersten Turniertag intensiv zu beackern. Es ist natürlich immer schwierig abzuschätzen wie gut oder schlecht man denn jetzt mit den gefangenen Fischen dasteht. Ist es gut überhaupt seine fünf Fische zu fangen oder haben die anderen fünf ganz dicke erwischt? So richtig wollte auch niemand mit der Sprache heraus. Tom und Dani haben an dem Tag vom Ufer aus gefischt und einen guten Fisch erwischt, dennoch beschlossen Matze und ich am Abend, dass wir unserer Taktik treu bleiben und es am ersten Tuniertag auch an den tiefen Kanten versuchen werden. Im Anschluss an das Training gab es noch das Tunierbriefing in einer nahegelegenen Sporthalle, wo auch während der gesamten Turnierlaufzeit eine Messe mit vielen Shops stattfand. Die Auslosung ergab für uns den sechsten Startplatz am ersten Turniertag.

START!

Der erste Turniertag wurde mit dem fiesen klingeln des Weckers um 5.45 Uhr eingeleutet. Schnell unter die Dusche und ab zum Frühstück, welches es leider zu der Uhrzeit noch gar nicht gab. Also ab zum nächsten Café, ein paar italienische Köstlichkeiten und ausreichend Kaffee einfahren und den Tagesvorrat an Red Bull auffüllen. Als nächstes das Boot beladen und alles fertig für den Start um 8 Uhr machen. Das Starterfeld umfasste insgesamt 38 Boote und um kurz nach acht flogen wir schon über die Heckwellen der Boote, die vor uns gestartet waren. Es wehte ein recht strammer und kühler Wind an diesem Tag, aber die 115 PS brachten uns dennoch schnell und sicher an unser erstes Ziel, den produktivsten Spot vom Vortag. Schnell waren die ersten Kut Tails, Javasticks, Huddleswimmer und so weiter in der gewünschten Tiefe. Wir erwarteten jede Sekunde einen Biss von einem der besseren Fische, die wir am Vortag dort fangen konnten - Fehlanzeige! Es bisschen einige kleine Bass und bis zum Mittag hatten wir nur zwei Keeper gesamten Kante gefunden. Wir beschlossen, dass es Zeit war andere Spots anzufahren, machten die Ruten fest und flogen zum nächsten Spot in der Nähe von Bolsena. Doch auch dort wurde es nicht wirklich besser. Nach mehreren Spot- und Köderwechseln fuhren wir in den Süden des Sees und fanden glücklicherweise einen Spot, der uns zum Glück noch die fehlenden Wertungsfische brachte. Was wir nun brauchten waren zwei Dinge. Zum einen dicke Fische und zum anderen Zeit diese zu finden. Die Zeit war allerdings nicht mehr wirklich vorhanden, denn um 16 Uhr musste man zurück im Hafen sein. Also blieb uns nur knapp eine Stunde für die Suche nach größeren Fischen. Leider wurde nichts daraus und wir beendeten den ersten Wertungstag um punkt 16 Uhr beim Einlaufen in den Hafen. Beim Einlaufen in den Hafen mussten wir den Orgas die Anzahl unserer Fische nennen. Viele Boote um uns herum hatten auch ihre fünf Fische. Wir waren zwar froh unsere fünf Fische noch voll bekommen zu haben, aber unser Gefühl war für den ersten Tag nicht sehr gut.

Weight-In am ersten Tag

Beim Weight-In brachten wir dann insgesamt 3,105 kg auf die Bühne und es stellte sich schnell heraus, dass wir damit nicht besonders weit vorne landen würden. Tom und Dani hatten es ohne Training geschafft 3,935 kg auf die Waage zu bringen und das beste Team des Tages brachte fünf dicke Fische mit insgesamt 7,695 kg zum Wiegen. Jetzt wussten wir wo der Frosch die Locken hat und unsere Köpfe begannen zu rattern. Was kann man anpassen, was verbessern? Am Ende standen wir auf Platz 30 von 38.

Nach dem Wiegen kamen die Fische sofort in ein großes Frischwasserbecken und wurden hervorragend versorgt bevor sie am Abend wieder an verschiedenen Stellen ausgesetzt wurden. Das ganze Turnier über haben wir nicht einen toten Fisch gesehen, weder am Wasser noch beim Weight-In. Die Versorgung war einfach grandios.

Gute Stimmung bei uns allen

Beim Abendessen legten wir fest, dass wir am nächsten Morgen flacher fischen wollten. Die Vermutung war, dass die Fische erst gegen Nachmittag an die tieferen Kanten ziehen. Der Plan war leichte Split Shot Rigs und Drop Shot Rigs über den Krautfeldern und in den Krautlücken zu präsentieren. Doch als es morgens beim Start sehr windig war schlug ich vor zunächst 30 Minuten ein Krautfeld mit tieflaufenden Cranks zu beackern. Die erste Stelle war zirka sieben Meter tief und das Krauf wuchs zwei Meter hoch. Um perfekt über dem Kraut lang zu fischen brauchten wir den Imakatsu IK-500. Die ersten Würfe brachten einen kleinen Bass und einen kleinen Flussbarsch. Einige Würfe später waren die ersten beiden Keeper im Livewell. Wir machten weiter Strecke um das Plateau schnell abzufischen, aber das Beißen ließ nach. Wir vermuteten, dass die Fische sich jetzt langsam in Richtung der steil abfallenden Kante machten und versuchten unser Glück wieder auf die alte Methode. Nach gut 30 Minuten brachen wir den Versuch ab, denn es waren wieder nur kleine Fische, die dort auf unsere Tricks hereinfielen. Arbeitsstellung Die Würfel waren gefallen und wir beschlossen ein weiteres krautbewachsenes Plateau mit dem IK-500 zu beackern. Zwischen Wasseroberfläche und den Wasserpflanzen waren es meistens zwischen fünf und sechs Metern. Also mussten wir werfen, auf die Knie, Rutenspitze unter Wasser und... kurbeln. Von diesem Zeitpunkt an fingen wir richtig gut und hatten offensichtlich etwas gefunden was sonst keiner machte. Denn alle anderen Boote um uns heraum waren offensichtlich weiterhin mit ihren Spinnings zugange. Schnell hatten wir unsere Keeper zusammen und Matze hatte den ersten besseren Barsch im Drill. Als der Fisch am Boot war, zog ihn Matze über den Kescher, den ich ins Wasser gehalten habe. Genau in diesem Moment schüttelte der Fisch den Crank ab, schwamm am Kescher vorbei und sorgte dafür, dass mir mein Herz in die Hose rutschte. Als er gerade den ersten Flossenschlag in die Freiheit machen wollte, schöpfte ich ihn geistensgegenwärtig in den Kescher. Das alles passierte in einem Sekundenbruchteil und ich zittere heute noch wenn ich daran denke. Die Freude war jedenfalls riesig und unser erster Schrei hallte über den See.

Der erste gute Keeper

Wir crankten das ganze Plateau ab und markierten die Fänge auf dem GPS. Nach einigen Fischen zog ich eine gedachte Linie durch die GPS Punkte und glaubte, dass sich die Fische genau in diesem Tiefenbereich aufhielten. Um es herauszufinden fischten wir eine Weile etwas flacher - ohne Erfolg. Unser Plan schien aufzugehen und nach gefühlten 10000 Mal werfen, hinknien, kurbeln, werfen, hinknien, kurbeln, ... bekam ich einen guten Einschlag. Die Kopfstöße waren ziemlich ausgeprägt und meine größte Sorge war, dass es ein Hecht sei. Der Fisch war schnell am Boot und im Kescher. Ein toller Fisch von zirka 1,8 kg. Es schien als wären wir wieder im Geschäft.

Alles in allem hatten wir sicher gut 25 Keeper als Belohnung für die anstrengende Angelei. Kurz vor Schluss machte ich das Boot klar für die Rückfahrt und stellte den Wecker für den spätesten Zeitpunkt zur Abfahrt. Während des Turniers durfte man sechs Fische im Livewell haben, aber beim Hafen musste der sechste releast werden. Also wogen wir noch kurz die Fische und releasten den leichtesten. Wir setzten uns hin und wollten gerade den Motor starten als mein Handywecker klingelte - Es lief einfach super!

Weight-In Tag 2

Um 15.58 Uhr waren wir am Hafen. Diesmal mit einem deutlich besseren Gefühl als am Vortag. Der Weight-In fand in umgekehrter Reihenfolge der Vortagesplatzierung statt. Also waren wir schon als achter beim Weight-In und brachten unsere Fische in einem durchsichtigen Weight-In Bag zur Bühne wo jede Menge Besucher, Pressevertreter und TV-Journalisten warteten. Schon auf dem Weg dorthin wurden wir von einigen Italienern zu den guten Fischen beglückwünscht. Unsere Fische waren dank ständiger Fürsorge topfit und wir brachten unsere fünf Fische mit insgesamt 5,030 kg auf die Bühne. BOYAKA! Es folgten noch einige andere Teams mit guten Fischen und am Ende waren wir vierter des Tages.

Am Ende des Tages wurde das Gesamtergebnis in der Sporthalle ausgehängt. Am Ende waren wir also auf Platz 16 von 38 und mehr als zufrieden. Das Teilnehmerfeld umfasste fast jeden bekannten Angler in Italien. Wir waren nicht die einzigen ausländischen Teilnehmer. Auch die Russen waren mit einem Team vertreten und der vierfache Bassmaster Champion Rick Clunn fischte zusammen mit Marc Curry das Turnier. Zu unserer Überraschung konnten sich die Amerikaner scheinbar ganz und garnicht auf den See einstellen und landeten am Ende auf Platz 29 (3,475 kg, 1,700 kg). Das überragende Team vom ersten Tag mit über 7 kg hatte am zweiten Tag 3,290 kg im Livewell und landete damit auf dem zweiten Platz. Erster wurde die Italiener Mancini & Battaglia mit einer konstant guten Leistung von 6,130 kg und 5,295 kg. Herzlichen Glückwunsch!

Siegerehrung

Der Sonntag war dann Messetag. Unter anderem gab es Vorträge von Rick Clunn und Marc Curry auf der Bühne. Rick war ziemlich erstaunt über das Abschneiden bei meinem erstern Turnier und erzählte auf der Bühne wie toll er es findet, dass wir eine so erfolgreiche Taktik gefunden haben. Er selber bezeichnet sich als Powerfischer und kam wohl mit dem klaren Wasser nicht so sehr klar. Er sagte, dass er froh sei auch mit seinen 65 Jahren noch was von uns lernen zu dürfen. Fish different hat dieses Mal funktioniert und es ist einfach toll, wenn ein ausgedachter Plan funktioniert.

Alles in allem eine supertolle Woche und ein super organisiertes Turnier. Wir kommen mit Sicherheit wieder!

Einer der ersten FischeEiner der ersten Fische von MatzeTolle FärbungBass im Drill73 km/h und die Frisur sitzt!Drill an 4lb FCVor dem StartSTART!Der erste bessere FischDer erste Keeper des TagesKurz vor 16.00 Uhr am Hafen.Alle Teilnehmer sind wieder zurückTom und DaniRick Clunn und Marc CurryWeight-In am ersten TagGute Stimmung bei uns allenDer Fischdoktor kümmerte sich hervorragend um die FischeTag 2: START!Der erste SpotSimone wechselt den SpotDer erste gute KeeperGuter Bass!ArbeitsstellungAb zum HafenAuf dem Weg zum Weight-InBassdaumenDie Spannung steigt. 5,035 kg!Weight-In Tag 2Tom und Dani beim Weight-InDie Champs stehen fest

Neuen Kommentar schreiben